Sichere Daten im Smart Home: Lokal oder in der Cloud?

21.02.2017

Sichere Daten im Smart Home: Lokal oder in der Cloud?

Beim Einsatz von Smart Home Produkten werden Daten erzeugt und abgespeichert. Dies kann sowohl lokal beim Bewohner oder auch in der Cloud passieren. Dieser Blogpost gibt einen Blick hinter die Kulissen.

Autor: Tobias Kluge

Können Sie mit Sicherheit sagen, wo die Daten Ihrer Smart Home Produkten abgelegt werden und ob das sicher erfolgt? Ob neben Ihnen noch andere Personen (unbemerkt) darauf zugreifen könnten? Nicht bei allen Produkten ist das einfach zu sagen. Grundsätzlich lässt sich die Datenhaltung in zwei Bereiche aufteilen: Lokale Datenhaltung und Datenhaltung in der Cloud.

Lokale Datenhaltung – veraltet?

Unter lokaler Datenhaltung versteht man, dass alle Informationen im Hoheitsgebiet des Nutzers abgelegt werden. Das kann direkt auf dem Gerät erfolgen, oder auf einem zentralen Datenspeicher im Netz – dem NAS (Network Attached Storage). Typische Hersteller von NAS-Systemen sind QNAP oder Synology – diese Produkte gibt es ab CHF 200 in jedem Elektronikmarkt.

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Der Nutzer hat volle Kontrolle über seine Daten. Im Heim-Netzwerk kann immer auf diese Daten zugegriffen werden, auch wenn der Internet-Provider ein Verbindungsproblem hat.

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Das Konfigurieren und Betreiben eines NAS erfordert grundlegendes IT-Wissen. Das Backup – also das Sichern der abgelegten Daten – ist Aufgabe des Nutzers.
Ein Zugriff aus dem Internet ist nicht direkt möglich. Viele Hersteller bieten jedoch mittlerweile einen entfernten Zugriff auf die Daten, der sich relativ einfach nutzen lässt

Datenhaltung in der Cloud

Werden die Daten in der Cloud (einem Rechenzentrum) gespeichert, hat der Benutzer keinen direkten Zugriff darauf. Die Server-Farmen können sich in der Schweiz befinden; bei den meisten Nicht-Schweizer Produkten sind die Daten aber auf Servern weltweit verteilt. Die Cloud-Datenspeicherung ist bei entsprechenden Smart Home Geräten bereits im Produkt eingebaut, Sensor- und Bilddaten werden direkt vom Gerät übers Internet in der Cloud abgelegt.

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Aufgrund der Speicherung im Internet kann von überall her auf diese Daten zugegriffen werden. Der Anbieter übernimmt die Verwaltung und Sicherung der Daten. Benutzer-seitig ist kein IT-Wissen nötig. Beim Installieren eines neuen Smart Home Produktes muss nur noch die App vom Hersteller installiert und damit das Produkt eingerichtet werden.

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Ohne Onlinezugang funktioniert das Gerät nicht und der Nutzer kann nicht auf seine Daten zugreifen. In der heutigen Zeit ist das allerdings immer seltener der Fall.
Fraglich ist, wo genau die Daten liegen und wer darauf zugreifen kann. Häufig versprechen Anbieter, dass Daten sicher und verschlüsselt abgelegt werden. Diese Zusicherungen sind jedoch kaum überprüfbar.
Das Geschäftsmodell einiger Hersteller beinhaltet nebst dem Verkauf der Produkte häufig ebenso den Handel mit Benutzerdaten. Selbst wenn die Daten anonymisiert verkauft werden, lassen sich häufig Rückschlüsse auf den Standort oder den Besitzer ziehen.

Beispiel Wetterstation

Netatmo Wetterstation

Netatmo hat eine schöne, benutzerfreundliche Wetterstation mit zusätzlichen Innenraum-Thermostaten und weiteren Komponenten entwickelt. Das Produkt kostet CHF 150 und kann schnell und einfach in Betrieb genommen werden.
Wo werden die Daten gespeichert? Richtig – in der Cloud. Und was ist das Geschäftsmodell vom Hersteller? Produkte + Daten verkaufen. In der Standard-Konfiguration werden die Benutzerdaten ohne Rückfrage auf einer öffentlichen Karte angezeigt – inklusive der genauen GPS-Position.


netatmo wetterstation

Elsner Wetterstation

Die Wetterstation von Elsner erscheint – verglichen mit netatmo – etwas veraltet und weniger schön. Preislich ist sie deutlich teurer und für die Installation wird ein Elektriker benötigt. Es gibt keine App vom Hersteller für die Anzeige der Messdaten. Häufig wird die Elsner Wetterstation mit einem Hausautomationssystem verwendet.


elsner wetterstation

Beispiel Überwachungskamera

Logitech Circle

Als Beispiel einer cloudbasierten Überwachungskamera dient das Produkt Logitech Circle. Für CHF 230 gibt eine schöne Kamera, die drahtlos und mit eingebautem Akku Aufzeichnungen in Full-HD (1080p) erstellt. Der Zugriff auf die Aufnahmen erfolgt über eine App. Die Daten werden direkt in der Cloud abgelegt – laut Hersteller verschlüsselt und sicher.
Das Geschäftsmodell von Logitech umfasst den Verkauf des Produkts sowie Abos für die Datenspeicherung. Normalerweise werden Videos nur für 24h abgespeichert. Wenn Sie z.B. nach den Ferien weiter in die Vergangenheit schauen möchten, kostet das extra (bis zu 9.99 EUR / Monat). Auch Funktionen wie Bewegungszonen benötigen das teure Abo. Die Kamera kostet damit CHF 230 einmalig und weitere ca. CHF 100 pro Jahr.


logitech circle

Mobotix

Die Kameras von Herstellern wie Mobotix oder auch Axis sind “klassische” Kameras mit lokaler Datenhaltung. Die Speicherung erfolgt entweder auf einer eingebauten Speicherkarte, oder auf einem NAS im Heim-Netz. Die Geräte kosten, abhängig vom Einsatzgebiet, ab CHF 300 und lassen sich beliebig konfigurieren. Die Installation ist aufwändiger und erfordert IT-Wissen. Für den Zugriff übers Internet müssen spezielle Einstellungen gemacht werden, damit dieser sicher erfolgt.


mobotix

Fazit

Datenhaltung in der Cloud oder im lokalen Netzwerk ist ein wichtiges Kriterium beim Kauf eines Smart Home Produkts. Beim Entscheid für oder gegen eine Lösung sollte geprüft werden, wo die Daten abgespeichert werden und was mit diesen Daten passiert.
Für Anwender ohne IT – Wissen sind cloudbasierte Lösungen häufig die geeignetere Lösung, da sie einfacher zu installieren und bedienen sind. Wer IT-Erfahrung hat und gern viele Möglichkeiten nutzen möchte, greift zu Produkten mit lokaler Datenhaltung.