Smart Home in 5-10 Jahren Standard? Christian Moser im Interview

28.02.2017

Smart Home in 5-10 Jahren Standard? Christian Moser im Interview

Im Interview mit der Sonntagszeitung spricht hubware Gründer Christian Moser über das Smart Home Projekt mit Jonas Hiller aber auch über die Herausforderungen der Branche. Hier in ungekürzter Version.

Autor: hubware

Für die Berichterstattung der Sonntagszeitung stand Christian Moser den teils durchaus auch kritischen Fragen der Sonntagszeitung-Redaktion Rede und Antwort. Im Gespräch erklärt Moser, auf was bei einem Smart Home geachtet werden sollte. Zudem nimmt der hubware Gründer Stellung zu aktuellen Enwicklungen in der Branche und sieht Herausfordeungen für die Zukunft.


Jonas Hiller Interview Sonntagszeitung

Herr Moser, warum brauchen wir Smart Homes?

Wir brauchen kein Smart Home, alles was wir brauchen ist ein Zuhause. Viele Menschen brauchen ein Auto um mobil zu sein, aber wieso muss es mit einer Klimaanlage, ja gar mit einer Klimaautomatik ausgerüstet sein? Wieso braucht es einen Komfort-Blinker? Wieso braucht es ein Navigationsystem und eine Handyfreisprecheinrichtung? Weil wir es möchten und es unseren Alltag einfacher gestaltet. Die heutigen Autos sind nichts anderes als Smart Homes auf vier Rädern. Sie verbinden Komfort, Sicherheit und Ökologie zu jeweils den Gewichtungen wie sie sich der Käufer wünscht. Wir machen bei den Smart Homes nicht anders. Obwohl wir an sich kein Smart Home brauchen um zu sein, so wünschen viele von uns, ein Smart Home sein Zuhause nennen zu dürfen.

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Wir brauchen kein Smart Home. Alles was wir brauchen ist ein Zuhause.schlusszeichen_hubware

Christian Moser, Gründer hubware

Jonas Hiller schätzt vor allem den ‚Kommen‘ und den ‚Gehen‘ Knopf. Ist das nicht etwas wenig Nutzen für ein Smart Home?

Wenn Herr Hiller dies als seinen grössten Nutzen schätzt, dann ist unser Ziel erreicht. Wenn in einem Smart Home der Bewohner nur noch an das Kommen und Gehen denken muss und der gesamte Rest automatisch passiert, dann ist das Ziel doch erreicht? Die Jalousie gehen bei Sonnenuntergang runter, die Markise fährt bei Regen ein und der Rasenmäher fährt los, wenn der Rasen nicht nass ist. Einfache Aktionen, ausgeführt am Nachttischlämpchen durch zweimaliges Taster-drücken sagen dem Haus, dass der Bewohner nun schlafen geht. Das Licht schaltet sich im ganzen Haus aus, unnötige Geräte werden heruntergefahren und vom Strom genommen. Die Alarmanlage schaltet scharf und aktiviert den Anwesenheitsmodus. Dies sind nur einige der Beispiele, welche Herr Hiller und andere Smart Home Bewohner nutzen können ohne, dass es ihnen täglich präsent ist, da das Smart Home für sie bereits zum Alltag geworden ist.

Wann ist ein Heim ein Smart Home?

Hausautomation oder Gebäudeautomationen kennen wir bereits seit ca. 30 Jahren. Wir wissen, dass rein die Leitsysteme ein Haus noch lange nicht «smart» machen. Ein oder mehrere Leitsysteme in einem Haus stellen nur die Gerätekommunikation untereinander sicher. Die darüber liegende Software, welche Gewerke (Licht, Schatten, Sicherheit, Umwelt usw.) verbindet und daraus einen echten Nutzen für den Bewohner generieren kann, nenne ich «smart». Dies kann z.B. sein, dass das Haus selber lernt, wie eine Anwesenheitssimulation für eine spezifischen Haushalt auszusehen hat und Wochenenden und Feiertage dabei selbständig im Algorithmus berücksichtigt oder das System anhand der Luftqualität selber Massnahmen ergreift und die Lüftung hoch dreht, Fenster öffnet oder simple den Bewohner über die verschlechterte Qualität informiert.
Ein Smart Home soll den Alltag vereinfachen, mehr Komfort, Sicherheit und Effizienz bieten als ein «dummes» Haus aber vor allem soll es Freude und Sorglosigkeit bereiten.

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Ein Smart Home soll den Alltag vereinfachen, mehr Komfort, Sicherheit und Effizienz bieten als ein ‚dummes‘ Haus. Vor allem aber soll es Freude und Sorglosigkeit bereiten.schlusszeichen_hubware

Christian Moser, Gründer hubware


Jonas Hiller Smart Home

Seit Jahren wird für das intelligente Zuhause eine Riesenmarkt vorausgesagt, aber kaum jemand wohnt wirklich smart. Was ist der Grund?

Bis Dato waren Gebäudeleitsysteme immer den Bauherren mit einem etwas grösserem Budget vorbehalten. Das Intelligente Haus hat nach wie vor seinen Preis, ist aber variabler geworden. Dank neuer Technologie wie z.B. IoT Geräten und wird so für ein breiteres Publikum erschwingbar.
Investoren, Architekten und auch Generallunternehmen sind dem Thema «intelligentes Haus» nach wie vor oft skeptisch gegenüber, denn niemand kann ihnen garantieren, dass ihr Mehraufwand auch wirklich den gewünschten (finanziellen) Gewinn erzielen wird. Dies aufgrund der noch relativ jungen Erfahrungswerte im SmartHome Bereich und der Ungewissheit wie sich der Markt (in Sinne von welchen Technologien es in 10 Jahren wirklich noch geben wird) entwickeln wird.
Man erkennt aber einen Wandel, dass immer mehr GU’s ihren Käufern smarte Pakete (Licht, Schatten, Heizung usw.) anbieten und somit sicherstellen, dass sie genau jene «smartness» einbauen welche vom Käufer auch gewünscht und bezahlt wird.

Es herrscht ein Wirrwarr bei den Systemen. Was muss passieren, damit sich ein Standard durchsetzen kann?

Das ist relativ einfach. Solange es die Privatwirtschaft gibt, in der sich verschiedene Produkte konkurrieren, wird es unterschiedliche Standards geben. Einige davon eignen sich besser für industrielle, andere besser für private Gebäude. Einige wiederrum eher für Neu-, andere besser für Umbauten.
Ich vergleiche dies nun wieder mit dem Automarkt. Das Ziel eines Autos ist immer dasselbe. Man möchte von A nach B kommen. Im Prinzip reicht ein Steuerrad, vier Räder und ein Motor. Dennoch gibt es nicht «das Auto». Es gibt X Marken Weltweit welche um ihre Kunden buhlen. Die einen über einen möglichst günstigen Preis die anderen mit Design und den neusten Featuren wie Co-Piloten usw.
Der Kunde wählt am Schluss zu welchem Autohaus er gehen will, welche Extras es sein dürfen und welche Art von Wartung er tatsächlich benötigt. Der Kunde profitiert also letztendlich gar von der grossen Auswahl.
Analog wie in der Autoindustrie zeichnen sich aber auch immer grössere Zusammenschlüsse (Allianzen) zwischen grossen Playern ab, welche versuchen einen gemeinsamen Nenner , einen Standard oder Labels zu definieren. Per se ist das bestimmt ein guter Ansatz, nur leider hat es so viele grosse Player auf dem Markt, dass sich kaum je ein Standard durchsetzen lässt. Die Politik könnte da Einfluss nehmen, aber wenn man bedenkt, das erst jetzt ab diesem Jahr ein universelles Handykabel für alle Handys produziert werden soll, dies 44 Jahre nach dem ersten Handy (1973, Motorola) so denke ich, wird sich die Politik eher zurück halten um Standards für ein komplexes Konstrukt wie ein SmartHome zu erlassen.
Fazit: Ich gehe davon aus, dass sich in naher Zukunft einige Systeme mehr durchsetzen werden als andere. Ein heutiges Smart Home muss also so konzipiert sein, dass es unterschiedliche «Standards» (Sprachen, Schnittstellen, Protokolle) unterstützt und so auch in Zukunft dazulernen kann.

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Ein heutiges Smart Home muss also so konzipiert sein, dass es unterschiedliche «Standards» (Sprachen, Schnittstellen, Protokolle) unterstützt und so auch in Zukunft dazulernen kann.schlusszeichen_hubware

Christian Moser, Gründer hubware

Mich dünkt der Aufwand des Konfigurierens im Verhältnis zum der Ertrag/Nutzen, den ein Smarthome bringt, ist zu hoch, wenn man die Masse ansprechen möchte. Wird sich das je ändern?

Der Traum vom Eigenheim ist ein schon sehr oft geträumter und auch realisierter Traum. Je komplexer die Vision des Bauherren, desto mehr Aufwand auch bei der Programmierung. Ich habe bereits Anzeigen in der Zeitung gesehen, in welchen für ein Smart-Fertighaus geworben wird, dies praktisch Kostenneutral. Dies kann man natürlich erreichen, indem man genau vorgibt, welche Geräte verbaut werden. Wenn diese Geräte der Vision des Bauherren entsprechen, Glück gehabt, wenn nicht, generiert es immer mehr Aufwand.
Ist der Fokus des Bauherren auf der monetären Nutzenoptimierung, so lassen sich hier auch verschiedene Potentiale, wie z.B. eine intelligente Einspeisung des eigenen produzierten Stroms implementieren, sodass das Hausautomationssystem quasi die Photovoltaikanlage amortisiert. Die Waschmaschine würde beispielsweise also erst dann starten, wenn genügend eigener Strom produziert wird oder ein Heizungsradiator schaltet aus, wenn das darüber liegende Fenster geöffnet ist.
Das Haus von Herrn Hiller ist ein Unikat und in der Geschichte unseres kleinen Unternehmens bestimmt das komplexeste Projekt. Die Aufwände und Erfahrungen, welche wir mit Herrn Hiller machen durften prägen unser Vorgehen und ermöglichen in Zukunft Nutzen und Ertrag sicher positiv zu beeinflussen.


Smart Home Interview Chris Moser und Siomone Luchetta

Wie sieht es mit der Störanfälligkeit aus? Kann es sein, dass man etwa die Dusche nicht mehr abstellen kann oder Türen nicht mehr aufgehen, wenn das System ausfällt?

Grundsätzlich kann jedes elektrische System einmal ausfallen. Das bei Herrn Hiller eingesetzt Leitsystem (digitalSTROM) verfügt über eine sogenannte dezentrale Logik. Dies bedeutet, auch wenn alle zentralen Serverkomponenten ausfallen würden, könnte er über seine Taster Licht, Jalousie, Markise usw. steuern. Die Automationen würden in diesem Fall nicht mehr funktionieren. Das Haus wäre in diesem Zustand ein sozusagen dummes, aber noch funktionierendes Haus. Türen wie z.B. auch Garagentore lassen sich immer auch notfalls manuell öffnen. Falls im Inneren der Garage kein Zugang zum Haus besteht, sieht der Gesetzgeber sogar vor, dass man das Garagentor auch von innen manuell öffnen können muss.
Also auch bei SmartHomes gibt es immer einen Plan B.

Wenn man ein smartes Heim möchte, wie muss man vorgehen? Kann ich auch ein Haus, das schon gebaut ist, smart machen?

Zuerst einmal muss jeder für sich definieren, was für ihn ein Smart Home ist und welche Anforderungen es erfüllen muss. Mit dieser, ersten Vision empfehle ich dann unterschiedliche Integratoren mit unterschiedlichen Technologien aufzusuchen. Dies kann der seit Jahren treue Elektroinstallateur sein aber auch der Integrator, welcher auf Hausautomation spezialisiert ist. Das Internet oder auch lokale Bau- und Wohnmessen helfen hierbei.
Bei einem ersten Gespräch sollte geklärt werden, in wie fern die Anforderungen mit den Technologien gedeckt werden können. Es kann nun sein, dass man während des Gesprächs die Vision überdenkt und entweder ausbaut oder rückfährt. Das ist alles gut. Wenn man aber mal seine Vision definiert hat, liegt es am Integrator, jene zu planen und zu realisieren. In diesem Zusammenhang ist es häufig sinnvoll, dass der Integrator sehr früh in die Planung miteingebunden wird und die ganze Elektroinstallation koordiniert.
Im Verbund Architekt, Elektriker und Integrator wird die Vision des Kunden geplant und realisiert.
Bei einer Renovation gibt es Leitsystem welche sich mehr und solche welche sich weniger eignen. In der Berner Altstadt z.B. haben wir gute Erfahrungen gemacht mit einem PowerLine basierten System (digitalSTROM) welches das bestehende 230V Kabel als Kommunikationsmedium braucht. Vorteil: Keine zusätzlichen Kabel, kein Funk mit Verstärkern oder Repeatern. Das System ist fix verbaut und kann einfach und individuell angepasst werden, auch wenn es einen Mieterwechsel gibt mit neuen Lampenstellen oder andern Stimmungswünschen. Also ja, nachrüsten ist immer möglich.

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Bei der Smart Home Planung ist es sinnvoll, dass der Integrator sehr früh in die Planung miteingebunden wird und die ganze Elektroinstallation koordiniert.schlusszeichen_hubware

Christian Moser, Gründer hubware

Jonas Hiller bekommt bald einen Tesla. Was eröffnet das für neue smarte Möglichkeiten?

Der geliebte Tesla! Grundsätzlich gibt es da eine Serie von Möglichkeiten an welchen wir aktuell auch arbeiten. In der Basis kann man den Tesla in seine SARAH (verbauter Smart Home Server bei Herrn Hiller) integrieren. Nun sieht man immer, wie z.B. der aktuelle Ladezustand das Wagens ist, kann ihn vom zentralen Display im Wohnzimmer vorheizen oder sicherstellen dass der Wagen auch an der Ladestation angeschlossen ist.
Durch die Integration der Photovoltaik Anlage und Ladestation können optimierte Ladezyklen generiert werden oder über das Ortungssystem kann das baldige eintreffen von Herrn Hiller zuhause über die Lautsprecher angekündigt werden. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzte, ob man nun «Kommen» beim Einfahren aktiviert oder bereits das Fitness Zimmer mit TV Anlage hochfährt kann individuell vom Bewohner bestimmt werden.
Wir als Integratoren erleben beinahe täglich, dass neu Integrierte Geräte wieder neue Kombinationsmöglichkeiten eröffnen, an welche initial noch niemand gedacht hat.
In unserem Verständnis ist SmartHome eine Lebensart welche in 5-10 Jahren Standard sein wird. Es kann gut sein, dass es dann nicht mehr «Smart Home» heissen wird, da es neue Formen und Funktionen angenommen hat, aber smart wird es sicher sein!

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