Masterarbeit: ‘Smart Home as Places of Control and Security’

26.02.2018

Masterarbeit: ‘Smart Home as Places of Control and Security’

In der Wissenschaft wurde dem Leben im Smart Home noch kaum Beachtung geschenkt. Laura Innocenti hat sich zusammen mit uns genau diesem Thema angenommen und darüber ihre Masterarbeit verfasst.

Autor: Laura Innocenti

Laura Innocenti

Die folgenden Ausführungen sind ein Auszug meiner Masterarbeit rund um das Thema Wohnen und Leben im Smart Home. Diese Zusammenfassung selbst hat keinen wissenschaftlichen Anspruch, stellt aber die wichtigsten Punkte der Masterarbeit in einer verkürzten Version dar.

Über die Autorin: Laura hat an der Universität Neuenburg Sozialwissenschaften studiert und ihre Masterarbeit zum Thema Smart Home verfasst. hubware ist ihr dabei beratend zur Seite gestanden.

Die Problemstellung und wie sie zu bisheriger Forschung steht

Ein Zuhause hat viele Bedeutungen. Es ist ein vertrauter Ort, an dem man sich sicher fühlen, sich selbst sein und alles im Griff haben kann, ein Ort an dem sich das häusliche Leben abspielt, ein Ort der Identität und vieles mehr. Im Gegensatz dazu werden Smart Homes oft nur mit Bezug auf die technischen/funktionalen Möglichkeiten zur Verbesserung von Komfort, Sicherheit und Energieverbrauch präsentiert. Dabei wird der sozialpolitische und ökonomische Kontext, in den die Technologie integriert wird, vernachlässigt. In Medien und Populärkultur werden Smart Homes zudem regelmässig als traumhafte Zukunftshäuser oder als technologische Albträume dargestellt. Man stellt sich vor, dass Technologie Komfort und Effizienz im Haus erhöht, indem es neue Wege beim Führen (und Kontrollieren) des Haushaltes ermöglicht. Gleichzeitig weckt dies bei einigen Leuten die Furcht, dass solche Technologien die Kontrolle übernehmen und beginnen könnten, die Bewohner zu überwachen (Albrechtslund 2007). Dabei ist das Thema der Kontrolle in beiden Visionen zentral. In meiner Studie zu Smart Homes stelle ich das Konzept des Heims als Ort der Sicherheit und der Kontrolle ins Zentrum und untersuche, wie Leute, die in Smart Homes leben, diese Technologien verstehen und nutzen, um sich einen sicheren Raum zu schaffen und zu unterhalten, in dem sie ihr Umfeld unter Kontrolle haben.

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Es erstaunt mich, dass Studien praktisch ausschliesslich auf Fragen des Designs, der Akzeptanz und der Nutzbarkeit (usability) anstatt des Nutzens (utility) und möglichen Transformationen des Alltags fokussiert sind.schlusszeichen_hubware

Laura Innocenti, Autorin Masterarbeit

Smart Home Studien, die sich mit den Themen Sicherheit und Kontrolle beschäftigen, tun dies meist aus einer technologie- und nutzer-zentrierten Perspektive (z.B. Davidoff et al. 2006). Es erstaunt mich, dass diese praktisch ausschliesslich auf Fragen des Designs, der Akzeptanz und der Nutzbarkeit (usability)anstatt des Nutzens (utility) und möglichen Transformationen des Alltags fokussiert sind. Ausserdem werden Diskussionen nur selten mit Blick auf das Konzept des Zuhauses als Ort, an dem Leute sich frei und sicher fühlen können und ihr Leben und ihre Umwelt im Griff haben, geführt. Es ist weiter erstaunlich, dassin der Wissenschaft nur eine Handvoll Studien durchgeführt wurden mit Teilnehmern, die sich unabhängig von der Studie für ein Smart Home entschieden haben und in einem solchen wohnen (z.B. Bernheim Brush et al. 2011; Heusinger 2004; Mennicken 2016). Stattdessen wurden für die meisten Studien extra Prototypen oder marktreife Produkte bei Teilnehmern eingebaut. Vor diesem Hintergrund zielt meine Studie darauf ab, zu der begrenzten Anzahl an Studien «in freier Wildbahn» beizutragen und untersucht die Vorstellung und Nutzung der Bewohner von Smart Home Technologien mit dem Konzept des Heims als Ort der Sicherheit und Kontrolle im Hinterkopf.
Ich fragte also, wie verstehen und empfinden Leute, die in Smart Homes wohnen, diese Technologie und wie nutzen sie sie? Wie schaffen sie sich ihr Smart Home als Raum in dem sie sich sicher fühlen? Wie sehen sie die Verteilung der Kontrolle zwischen Mensch und Technologie? Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich Leute kontaktiert, die Zuhause Heimautomation haben, ich habe eine Reihe von Hausbesuchen, Ausstellungsbesuchen und Interviews durchgeführt und verglichen und viel gelesen. Unter meinen Interviewpartnern waren elf Personen, die in einem Smart Home wohnen oder an einem solchen tüfteln sowie sechs Fachmänner (u.a. Berater, Marketingverantwortliche, Softwareentwickler).

Domestizierung: Das Heimsystem sich und sich selbst dem System anpassen

Anders als anfangs geplant, wurde der ganze Entscheidungsfindungs-, Installations- und Anpassungsprozess unter dem Begriff «domestication» (wie das «Zähmen wilder Technologien») zu einem zentralen Teil meiner Arbeit. Hier beschäftige ich mich mit den Motivationen und Interessen an Smart Homes sowie einzelnen Aspekten der Umsetzungs- und Anpassungsphase.
Der Entscheid für ein Smart Home gründete bei meinen Interviewpartnern auf einem allgemeinen Interesse an neuen Technologien – die Mehrheit hatte eine Ausbildung in einem technischen Bereich –, den Wunsch nach einem modernen, zeitgemässen Eigenheim (und dazu gehört ihrer Auffassung nach Smart Home Technologie) und/oder der Hoffnung nach Energieeinsparungen und das eine oder andere (insbesondere Beschattung und Raumklima) mit Automation zu verbessern. Ein Smart Home zu planen, bedeutet wie bei einem konventionellen Hausbau, dass sowohl Bedürfnisse und Wünsche als auch Kosten bedacht werden wollen, sowohl die Infrastruktur als auch das Leben, dass es ermöglichen soll und ob das Ganze in Eigeninitiative oder durch Profis realisiert und unterhalten werden soll.

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Im Smart Home ist neben dem technischen Wissen auch soziales Wissen – Wissen über die verschiedenen Bedürfnisse, Präferenzen und täglichen Routinen – essentiell.schlusszeichen_hubware

Laura Innocenti, Autorin Masterarbeit

Ein wichtiger Teil der Installation und der späteren Aneignung ist das Anpassen der Werte zum Beispiel für Helligkeit oder Temperatur. Es ist nicht eine willkürliche Suche nach «dem richtigen Wert» – auch wenn es sich in manchen Interviews so anhörte. Wie verschiedene Quellen aus der Wissenschaft denke ich, dass dafür neben technischem Wissen auch soziales Wissen – Wissen über die verschiedenen Bedürfnisse, Präferenzen und täglichen Routinen – essentiell ist. In vielen Fällen kam es ausserdem zu Änderungen wegen Problemen mit Sensoren, die «unzuverlässig» zu funktionieren schienen, weil einige Funktionen in ihrer ursprünglichen Umsetzung zu nerven begannen (z.B. Beschattung aufgrund errechneten Sonnenstands ohne Wetterabfrage) oder wegen anfänglichen Programmierfehlern. Im Fall meiner Interviewpartner dauerte diese Anpassungsphase mindestens ein Jahr, in den meisten Fällen war sie aber bis zum Zeitpunkt des Interviews nicht abgeschlossen oder eine erneute Anpassungsrunden hatten begonnen. Bei diesem Prozess scheint Unterstützung von erfahrenen Integratoren sowie eine gute und regelmässige Kommunikation und Vertrauen zwischen Bewohnern und Experten essentiell.

Die Anpassungsphase wird durch einen Lernprozess begleitet. Einerseits muss man lernen, die Technik zu bedienen und zu kontrollieren und andererseits muss gelernt und ausgehandelt werden, wie ein sinnvoller Umgang mit der Technologie aussehen soll, so dass er zu den Vorstellungen und Praktiken der Bewohner passt. Beim Bedienen Lernen gaben die meisten Interviewpartner an, dass praktisch alles selbsterklärend gewesen sei. Insbesondere Visualisierungen auf Apps oder zentralen Bedienpanels schienen einfach zu bedienen. Die Symbole für Lampen oder Storen zu erkennen, reicht jedoch nicht aus, um zu verstehen, wie Funktionen kombiniert, automatische Abläufe ein-/ausgesetzt oder Szenen geändert werden können. Ein grösserer Aufwand bildete nach Ansicht meiner Gesprächspartner jedoch die Planungs- und Vorbereitungs-phase – und bei jenen, die es selbst programmierten, das Programmieren Lernen. Nichtsdestotrotz hat die Heimautomation, wenn auch meist unauffällig und unaufdringlich, in vielen Fällen Veränderungen von Gewohnheiten gebracht. Beispielsweise hat sich in einem Haushalt die Lüftungspraxis geändert, obschon diese nicht direkt automatisiert wurde wie in anderen Häusern. Früher seien sie sich oft uneinig gewesen, wie oft und wie lange gelüftet werden solle, erzählten mir die Bewohner Lea und Lukas. Die Ausrüstung der Räume mit CO2-Gehalt messenden Sensoren, hat sie nun zu einer Kompromisslösung geführt. Beide akzeptieren und richten sich nach den Richtwerten, die diese Technologie ihnen vermittelt.

Einen wichtigen Teil der Domestizierung smarter Wohntechnologie macht demnach der (Kennen)Lern- und Anpassungsprozess aus. Er spielt auch eine zentrale Rolle dabei, wie ein Haus zu einem Smart Home, einem personalisierten, intelligenten Zuhause, das den Bewohnern die (oberste) Kontrolle gibt/überlässt, gemacht werden kann. Ich unterscheide zwischen selbstintegrierten und professionell integrierten Systemen, denn je nachdem führt das zu unterschiedlichen Verhältnissen zwischen Bewohnern und Smart Home (Technologie) bzw. zwischen Bewohnern, Smart Home und externen Profis. Beim domestizieren der Technologie geht es eben so sehr darum, sich dem System und den Möglichkeiten, die es bietet, anzupassen wie darum die Heimautomation in das Zuhause und den Alltag und den Haushalt einzupassen.


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Steuerung & Kontrolle

Einerseits präsentieren Visionen von Smart Homes diese mit einem grossen Potenzial für erhöhte Kontrolle, Steuerbarkeit und einfachere Führung des Haushalts, indem intelligente Gebäudesysteme die Bedürfnisse der Nutzer errechnen oder den Bewohnern mehr Kontrolle über ihren Energiekonsum ermöglichen. Andererseits befürchten einige Leute, dass smarte (Wohn-)Technologie das Potenzial hat, Menschen zu kontrollieren. Ich versuche, etwas differenzierter zu betrachten und auszuarbeiten, wie Smart Home Steuerung diesbezüglich von Bewohnern eingesetzt und eingeschätzt wird. Weiter diskutiere ich hier jene Faktoren, die dazu beizutragen, dass Bewohner das Gefühl haben, Kontrolle über die Technik und ihre häusliche Umgebung zu haben.
An Bedienungsmöglichkeiten habe ich die Steuerung via Taster, App (und andere Formen von Remote Control) sowie automatisierte Prozesse besprochen, während die Steuerung via zentrales Kontrollpanel weggelassen wurde. Erstaunlicherweise waren in den meisten Häusern deutlich mehr Taster vorhanden, obwohl in einigen Räumen ganz auf Taster verzichtet wurde, als ich dies erwartet habe. Dies hat einerseits sicher damit zu tun, dass nicht nur das Licht über die Taster bedient werden kann. Andererseits ist es doch erstaunlich, zumal mehrere Interviewpartner (v.a. Profis) angaben, Wert daraufzulegen, dass es eben nicht zu viele Taster werden, dass lieber in Gruppierungen als alles einzeln bedienbar sein soll via Taster. Was die Benutzung der App betrifft, gaben die meisten Befragten an, diese Zuhause nicht regelmässig zu nutzen, zumindest nicht um das System zu bedienen. Stattdessen wurde die App mehr für die Überwachung des Systems oder des Energieverbrauchs genutzt. Zum Beispiel um zu überprüfen, ob das System korrekt läuft, nachdem Veränderungen daran vorgenommen wurden. Eine Remote Control Funktion weitet zudem die Grenzen des Zuhauses aus und macht sie durchlässig, indem sie den Bewohnern erlaubt immer und überall Einblick in das Heimsystem zu haben und damit zu interagieren. Welche Bedienmöglichkeit genutzt wird, scheint von der Situation und individuellen Vorlieben abzuhängen.

Die teilweise medial vermittelte Furcht vor einem Smart Home, das die Kontrolle übernimmt, baut auf das Risiko der «Überautomation» und des Zugangs zum Heimsystem durch Dritte. Auf meine Frage, ob sie sich je beobachtet, kontrolliert oder bevormundet fühlten in ihrem Smart Home, antworteten alle Teilnehmer mit einem klaren Nein. Von Grosseltern oder Babysittern wurde jedoch manchmal ein gewisser Argwohn oder ein Unwohlsein berichtet. Ich habe aus den Interviews vier Faktoren herausgearbeitet, die einen grossen Einfluss darauf zu haben scheinen, ob die Bewohner die Kontrolle zu haben fühlen oder nicht: Umsetzung und Zuverlässigkeit der Technologie, das Verhältnis zwischen Mensch (Bewohner) und Smart Home (Technologie) und der Verteilung der Kontrolle über die Technik innerhalb des Haushalts (und darüber hinaus). Die Zuverlässigkeit wurde ziemlich positiv bewertet, auch von jenen, die von einzelnen Problemen berichteten (z.B. Sensoren, die scheinbar willkürlich Signale aussenden).
Wie man ein Smart Home Projekt umsetzt, welche Technologien dafür ausgewählt werden und wie die Automation programmiert wird, formen das Smart Home und wie man damit interagieren kann entscheidend. Ausserdem scheint Wissen wichtig zu sein, um bestimmte Interaktionen und Nutzungsmöglichkeiten nutzen oder anpassen zu können. Dabei ist es wichtig zu bedenken, dass das für einige Haushaltsmitglieder zu Abhängigkeit von anderen (internen oder externen) Personen führen kann, auf welche sie für die Implementation oder Anpassungen angewiesen sind und zu überlegen, wie diese stärker unterstützt und befähigt werden können.

Sicherheit

Sicherheit ist ein zentrales Thema im Smart Home Diskurs – sowohl auf Seiten der Befürworter als auch der Skeptiker. In dieser Zusammenfassung konzentriere ich mich darauf, welche Strategien und Funktionen Bewohner wählen, um ihr Haus zu sichern. Dabei geht es einerseits um die Wahrnehmung physischer Gefahren für Menschen, Haus und Güter und andererseits um digitale Gefahren, die von der smarten Technologie ausgehen können.
Allgemein gaben die meisten an, dass insbesondere der Schutz vor Einbrechern kein explizites Ziel bei der Planung und Umsetzung war. Die Funktionen, die von den Bewohnern als zur Sicherheit beitragend angesehen wurden, waren grossteils auf Technologien und Gräte gestützt, die in den meisten Smart Homes vorhanden sind, jedoch nicht primär zu Sicherheitszwecken genutzt werden. Beispielsweise hatte ein Haushalt eine Reihe von Sicherheitsfeatures realisiert. Bewohner Gabriel meinte aber, dass mehrere Elemente davon nicht aus Sicherheitsgründen umgesetzt wurden, sondern bezeichnete sie als «Nebeneffekte» des Smart Homes oder des zeitgemässen Hausbaus. Demnach geht es dabei klar nicht um Geltungskonsum und man wäre auch nicht unbedingt bereit extra dafür zu bezahlen (Ian Loader und Kollegen [2015] sprechen von «grudge spending», «widerstrebendes Kaufen» sozusagen). Dafür werden Sicherheitsfunktionen wie Warnungen bei offenen Fenstern, wenn es zu regnen beginnt oder ein «alles aus»-Knopf nicht nur als Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch oder hauptsächlich für den Komfort, den sie bieten, geschätzt.

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Ausgaben für Sicherheit ist ein unauffälliger Konsum der in der Regel ausserhalb der üblichen Konsumausgaben passiert. Der Bedarf nach Sicherheitsgütern konkurriert of mit mit demjenigen für Konsumgüter und wird dabei vom Letzterem meist dominiert – Eine Art ‚wiederstrebendes Kaufen‘ (‚grudge spending‘) also.schlusszeichen_hubware

Ian Loader und Kollegen (2015); ‚Grudge spending: the interplay between markets and culture in the purchase‘ of security

Ein Risiko, das in Medien und von Experten im Sinne der Sensibilisierung manchmal angesprochen wird, ist die Datensicherheit. Dass die Daten auf einem Server im Haus und nicht in einer Cloud bei einem externen Anbieter gespeichert werden, trägt wesentlich dazu bei, dass das Risiko für das eigene Zuhause als gering(er) eingestuft wird von den Bewohnern. Aus diesem Grund hat auch Tom sich dafür entschieden, nicht den vom Hersteller vorgegebenen Weg über dessen Cloud-Service zu nutzen und eine hausinterne Lösung aufgebaut. Das nötige Wissen dazu hat aber nicht jedermann/-frau und viele werden wohl auf die Anleitung des Herstellers oder externer Experten angewiesen sein.

Die Vorstellung, dass einzelne Personen oder Haushalte kein interessantes Ziel für Hacker darstellen, war der Hauptgrund dafür, weshalb viele das Risiko für einen solchen Angriff für relative gering hielten. Deshalb sahen mehrere Haushalte auch keinen Grund, ihr Heimsystem über Standardvorkehrungen (Passwort, Firewall) hinweg zu schützen. Nur zwei Haushalte gaben an, wegen der Gefahr des Hackings bewusst ganz auf einige Geräte wie Kameras und Mikrophone (zumindest in Wohnräumen) oder smarte Fernsehgeräte mit integrierter Kamera verzichtet zu haben. Dabei schien die Vorstellung, dass jemand in das Haus «hinein» sehen oder hören könnte, die grösste Angst. Nicht dass Daten für Einbrüche missbraucht oder Dienste gesperrt und Lösegeld gefordert würde, sondern Privatsphäre und Identitätsschutz standen im Zentrum.
Es ist ein Balanceakt zwischen dem bestmöglichen Nutzen aus den Möglichkeiten von Smart Home Technologien zu ziehen und dem Beschränken der Angriffsoberfläche für potentielle Hackerangriffe. Die Analyse meiner Daten zeigt, dass wenn irgendwelche Massnahmen gegen potenzielle Risiken getroffen werden, hängt es davon ab, wie der Haushalt die Risiken, die Kosten und Vorteile von Sicherheitsmassnahmen und andere Interessen wertet. Die meisten Haushalte scheinen mehr damit beschäftigt, ihr Zuhause gemütlich, bequem und verlässlich zu machen, als mit Sicherheit und Verwaltung der privaten Daten.


Sicherheit im Smart Home

Fazit

Diese Masterarbeit ist eine der ersten wissenschaftlichen qualitativen Studien mit Leuten, die (mehrheitlich) seit einem Jahr oder länger in einem Smart Home wohnen, und sich damit beschäftigt, wie diese ihr Smart Home zu einem Ort mach(t)en, an dem sie sich wohl, sicher und in Kontrolle fühlen können. Wahrscheinlich erstaunen viele von Euch die Ergebnisse meiner Arbeit nicht besonders. Zumal heute nur ein kleiner Teil der Smart Home Forschungen sich überhaupt mit sozialwissenschaftlichen Themen und Ansätzen befassen, konnte ich mit meiner Masterarbeit dennoch zur Forschung beigetragen.
Meine Studie diskutiert die Rolle der Vorstellung von Smart Home Bewohnern zum Verhältnis zwischen ihnen, ihrem Smart Home und externen Faktoren als wichtiges Element dafür, ob Leute sich in ihrem intelligenten Zuhause in Kontrolle und sicher fühlen. Alle Gesprächspartner, die in einem Smart Home wohnen, legten Wert darauf, mindestens einige Anpassungen selber machen zu können. Forscher wie der Umweltwissenschaftler Tom Hargreaves oder der Soziologe Peter Tolmie fordern aufgrund ähnlicher Ansichten dazu auf, neue Technologien so zu designen, dass das Konfigurieren einfacher wird. Die meisten Systeme, die ich während meiner Forschung gesehen habe, ermöglichen dies bereits. Es scheint mir daher wichtiger, auch weniger technikinteressierte Menschen daran zu führen, dass sie nicht nur gewissen Funktionen bedienen lernen, sondern auch die Möglichkeit, selbstständig kleinere Veränderungen vorzunehmen, kennen lernen und diese zu nutzen wissen. Zudem sollten die Bewohner gut über anfängliche Probleme informiert werden und wissen, was es braucht (z.B. an Zeit und Arbeit), um das System anzupassen, damit Frustrationen und Enttäuschung verhindert werden können.
Für mich persönlich stach dabei besonders das Paradox hervor, dass sowohl für Automation sowie für Kontrolle designt und gebaut werden muss, sowohl dafür dass die Technologie Kontrolle übernehmen soll, als auch dass sie den Menschen mehr Kontrolle über ihr Heim erlauben soll. Eine spannende Ausgangslage für weitere Entwicklungen und Forschungen.

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Es scheint mir wichtig, auch weniger technikinteressierte Menschen daran zu führen, dass sie nicht nur gewissen Funktionen bedienen lernen, sondern auch die Möglichkeit, selbstständig kleinere Veränderungen vorzunehmen, kennenlernen und diese zu nutzen wissen.schlusszeichen_hubware

Laura Innocenti, Autorin Masterarbeit

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